МИРЪ МИР МІР MIR MÍR MIER MĚR POKÓJ ⰏⰋⰓⰟ

Editorial

Autor/innen

  • Daniel Bunčić Universität zu Köln https://orcid.org/0000-0002-1090-8907
  • Susanne Frank Humboldt-Universität zu Berlin
  • Schamma Schahadat Universität Tübingen
  • Monika Wingender Universität Gießen

Abstract

Wissenschaft ist normalerweise unpolitisch. Denn während wissenschaftliche Erkenntnisse Grundlage politischer Entscheidungen sein können und müssen – wie wir unter anderem in der immer noch andauernden Pandemie gesehen haben –, dürfen politische Ansichten keine Rolle für die Gewinnung dieser Erkenntnisse spielen. Daher verzichten die Herausgeberı⃰nnen wissenschaftlicher Zeitschriften gewöhnlich darauf, in ihrer Rolle politisch Stellung zu beziehen. Die jüngsten schrecklichen Ereignisse aber beeinträchtigen auch die wissenschaftliche Arbeit in einer Weise, die uns zu einer solchen Stellungnahme zwingt.

Die Zeitschrift Die Welt der Slaven adressiert schon mit ihrem Titel die Erforschung aller slavischen Sprachen, Literaturen und Kulturen. Um uns dieser Forschung widmen zu können, benötigen wir vor allem zwei Dinge: Frieden und Meinungsfreiheit.

Vladimir Putins Regime hat beides zerstört.

Durch dessen von langer Hand geplanten und am 24. Februar begonnenen menschenverachtenden Angriffskrieg sind unsere Kollegı⃰nnen in der Ukraine gezwungen, um ihr nacktes Überleben zu kämpfen, so dass an Wissenschaft nicht mehr zu denken ist. Einige mussten fliehen; viele sind geblieben, um ihre Demokratie gegen Diktatur und Gewalt zu verteidigen; wie viele durch die russischen Bomben sterben werden, werden wir erst wissen, wenn die Waffen endlich schweigen. Wir fühlen mit allen Menschen in der Ukraine, denen dieser Krieg aufgezwungen wurde, und stehen zu ihnen.

Gleichzeitig ist dieser Krieg ein Angriff auf die Meinungsfreiheit, der die Arbeit auch unserer russischen Kollegı⃰nnen beeinträchtigt. Das vorliegende Heft enthält einen Artikel, der schon vor dem 24. Februar im Heimatland der Autoren nicht gedruckt werden konnte und deshalb als tamizdat in unserer Zeitschrift erscheint. Das Unterschreiben dieses Editorials würde in Russland nun mit bis zu fünfzehn Jahren Lagerhaft bestraft werden. Dennoch haben sich viele unserer russischen Kollegı⃰nnen offen gegen den Krieg ausgesprochen. Auch deren Mut erkennen wir an und wollen weiter mit ihnen zusammenarbeiten.

Zusammen mit dem Verband der deutschen Slavistik und anderen nationalen und internationalen slavistischen Organisationen (z. B. BASEES, AATSEEL oder Slavic Linguistics Society), mit den Redaktionen anderer slavistischer Zeitschriften (z. B. Russian Linguistics, Studi Slavistici, Slavic Review) und mit den Völkern der Welt verurteilen wir den Angriff der Russischen Föderation auf die Ukraine, fordern ein Ende der Gewalt und den Rückzug der russländischen Truppen.

Die Herausgeberı⃰nnen der Zeitschrift Die Welt der Slaven fühlen sich weiterhin der Verständigung zwischen den slavischen (und nichtslavischen) Völkern und der freien Äußerung wissenschaftlich fundierter Meinungen verpflichtet.

Literaturhinweise

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Veröffentlicht

28.03.2022 — aktualisiert am 20.07.2022

Zitationsvorschlag

Bunčić, Daniel & Frank, Susanne & Schahadat, Schamma & Wingender, Monika. 2022. МИРЪ МИР МІР MIR MÍR MIER MĚR POKÓJ ⰏⰋⰓⰟ: Editorial. Die Welt der Slaven 67(2). v-vi.

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